Patriotische Gedanken

 

Juni 2012

Das politische Credo eines Nach-, Mit-, Anders- und Neudenkers

Neu denken, neu leben, neu lieben

Ich gebe es ja zu: Ich bin ein Schwärmer, und zwar für die Familie in einer zunehmend kälter werdenden Welt gepflegter Einsamkeiten. Die größtmögliche Familie ist für mich die Nation. In ihr ist die familiäre Liebe so weit aufgespannt, wie das nur möglich ist: Ich kenne die wenigsten der 80 Millionen „Familienmitglieder“ und doch eint uns eine Sprache, Kultur und Mentalität.

Das ganze Universum und die ganze Welt kann ich nur platonisch und abstrakt lieben. Und auch Europa ist für meine konkrete und praktische Liebe noch zu groß, denn mein Leben ist endlich und begrenzt. Leipzig ist mein Zuhause und Deutschland. Es ist das letzte Beziehungsnetz, das mir Halt gibt, wenn ich aus den engeren familiären Beziehungen und Bindungen herausfalle. Freiheit ohne Vertrautheit und Zusammengehörigkeitsgefühl nutzt gar nichts; das beweist das tragische Schicksal vieler Emigranten, die zwar dem Naziregime entkamen, dann aber ohne ihr geliebtes Deutsch(land) den Lebensmut verloren.

(Da können Sie mal sehen, wie sich die Zeiten geändert haben. Die „neudeutschen“, smart-wendigen Aufsteiger von heute fühlen sich keiner Art von Familie verpflichtet, sondern nur der ganzen Welt. Unter dem machen’s sie nicht. Auf Deutschland könnten sie wahrscheinlich eher verzichten als auf die Welt drumherum.)

Ich fürchte, wir werden den familiären und nationalen Rückhalt bald mehr denn je brauchen. Im Katastrophenfall kommen die Feuerwehr und auch das technische Hilfswerk nicht aus Brüssel. (Wahrscheinlich gibt es Letzteres gar nicht in Brüssel.) Und wenn eine Armee wirksam helfen kann, dann ist es die eigene. So ein Zusammenhalt, der entsprechend unseres Nationalcharakters auch noch effektiv funktioniert, erweckt natürlich Misstrauen und Neid.

Aber es ist doch ganz natürlich und selbstverständlich, dass sich ein Vater im Falle der Not zuerst um seine eigene Familie, seine eigenen Kinder kümmert. Das ist kein Akt der Missachtung anderer. Im Gegenteil, es ist Menschennatur, denn der Vater kann nur dann wirklich freundlich und wohlwollend zu den anderen im Haus oder im Ort sein, wenn er sich zunächst seiner eigenen Familie zugewandt hatte und getan hat für sie, was er konnte. Erst diese Gewissheit gibt ihm die Kraft und die Ruhe, auch für andere Großes zu leisten.

Das versteht die politische Klasse in Deutschland nicht. Dabei ist es so natürlich, so selbstverständlich, das Eigene zuerst zu lieben und sich zuerst um die Kinder der eigenen Familie zu kümmern. (So meinte Hoffmann von Fallersleben auch das „Deutschland über alles“ in der 1. Strophe seines „Liedes der Deutschen“.) Wenn das jeder auf der Welt so machen würde, Verantwortung zuerst für das Eigene zu übernehmen und es zu hegen und zu pflegen, um auf dieser Grundlage dann Freundschaften zu anderen einzugehen, gäbe es keine Probleme zwischen den Familien aller Art, bis hin zu den Völkern.

In Deutschland ist die Lage diesbezüglich von grundauf verdreht. Zur Zeit springt mir das an der Art ins Auge, wie die, die etwas Besseres sein wollen in unserer Gesellschaft und uns repräsentieren, die nun schon seit Jahren schwelende Finanzkrise in den Griff kriegen wollen. Ich bin kein Ökonom, aber Geld ist die Grundlage aller Existenz in einer Marktwirtschaft, deshalb berührt mich das sehr.

Diese Finanzkrise gibt es in diesem Ausmaß nach meiner Überzeugung nur, weil es in der stärksten Volkswirtschaft Europas dieses – typisch deutsche, schon von Bismarck beklagte* – „scheinedle“ Denken gibt, das besagt, es sei ehrenwerter, das Fremde zu lieben als das Eigene.

* „Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eigenen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheit, deren geographische Verbreitung sich leider auf Deutschland beschränkt.“

Mit der DM in Europa als faktischer Leitwährung, die sie schon zum Zeitpunkt ihrer Abschaffung war, gäbe es immer noch Vertrauen in die Währungen Europas, weil die DM als Anker alle anderen stabilisiert hatte. Das war unerträglich für die alten Kontrahenten Deutschlands, leider hatten sie nicht die Größe, diese Realität auch für ein wiedervereinigtes Deutschland zu akzeptieren. Anstatt dessen musste unbedingt der Euro her. Dieses ideologische Wunschdenken ist die Wurzel der Finanzkrisen, die unser aller Wohlstand heute existentiell gefährden.

Das ist den wenigsten Deutschen klar: Mit dem fortgesetzten Vertrauen auf und in das Eigene, mit der DM wäre das nicht passiert. Und das wäre gut gewesen für alle. Weil aber die deutschen Eliten glaubten, die Auflösung der DM im Säurebad des Euro als Friedenspreis zahlen zu müssen und doch andererseits vorläufig noch nicht aus ihrer deutschen Haut heraus können, müssen sie sich gegenüber den Südeuropäern als Lehr- und Zuchtmeister aufspielen, um für den Euro wenigstens einen Rest der alten DM-Stabilität zu retten.

Früher brauchte es dafür keine ideologisch-konsequente Erziehung durch englisch sprechende deutsche Zuchtmeister, das ging von ganz allein mit der Auf- und Abwertung der nationalen Währungen. Einem solchen ökonomischen Naturgesetz konnte sich auch die stolzeste Nation fügen, nicht aber einem Streber und politisch korrektem Oberlehrer unter den Nationen, der sich über die anderen stellt, und ihnen vorschreibt, wie sie zu wirtschaften haben und dass sie sich als Nation am besten ebenso abschaffen sollen wie das Deutschland nach dem Willen seiner politisch korrekten Politiker immer schneller schon mit sich selbst tut.

Die anderen sind aber nicht so gestört wie unsere Eliten. Sie geben höchstens dann ein Stück Nationales auf, wenn sie dafür viel Geld bekommen. Ansonsten sind ihre nationalen Interessen primär, was auf dieser Ebene genauso natürlich und logisch ist wie auf der persönlichen. Das schließt nicht den respektvollen und fairen Umgang miteinander aus, sondern ermöglicht und stabilisiert ihn in Wirklichkeit erst. Die leidvollen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts und der Zeit davor geben diesem Verstehen eine tiefe Erfahrungssubstanz: Irgendwann müssen wir es als  Nationen-Persönlichkeiten schaffen, gut miteinander auszukommen, ohne den Preis unserer gegenseitigen Abschaffung und Nivellierung durch die gemeinsame Anpassung an einen einzigen “Weg des Lebens”, nämlich den US-amerikanischen. Die Völker sind nicht so lernunfähig, wie die politische Klasse in Deutschland und die Kommissare des EU-Bürokratiemonstrums denken. Die glauben ja sogar, ihnen selbst die Krümmung der Gurken vorschreiben zu müssen.

Die moralinsaure deutsche Zuchtmeisterei kann jedenfalls nur nach hinten losgehen. Sie verstärkt nicht das freundliche Miteinander in Europa, sondern lässt alte, längst vergessen geglaubte Ressentiments wieder auferstehen. Das ist ein Witz der Geschichte: Deutschland wird so gehasst wie nie mehr seit dem 2. Weltkrieg und das, obwohl es mit weitem Abstand am meisten Geld für die bezahlt, die es hassen.

Es ist ein Witz, und ich verstehe ihn: Wer lässt sich denn schon gern den Lebensstil seines reichen Onkels aufzwingen? Und wenn dieser Onkel sich dann jedes Mal austricksen lässt, würde ich ihn noch mehr verachten, aber sein Geld natürlich weiter nehmen, solange er so dumm ist, es zu bezahlen, weil er sich einbildet, dass seine Moralpredigt diesmal aber nun wirklich fruchten wird. (Und wenn „er“ dann auch noch diese furchtbaren Hosenanzüge trägt, ist es ganz aus.)

Das funktioniert ja nicht einmal bei pubertierenden Söhnen und Töchtern, geschweige denn bei stolzen Nationen. Wie blöd muss man sein, von wie viel ideologischem Wunschdenken und arroganter Selbstüberschätzung der eigenen volkspädagogischen Fähigkeiten besessen sein, um das immer wieder zu glauben?

Dreiviertel aller Griechen meint laut seriöser, in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ zitierter Umfragen im Ernst, dass der Euro den Nazis in Deutschland als Instrument dient, ein 4. Reich zu errichten. Man kann eben keinen zu seinem Glück zwingen, das hatte schon die DDR vergebens mit ihren Bürgern versucht. Nationale Mentalitäten lassen sich nicht umerziehen, es wäre auch schade, wenn alle plötzlich gleich strebsam und sparsam wie die Deutschen würden.

Es ist doch sonst immer die Rede von der bunten Vielfalt. Lasst doch in Europa die Vielfalt der Mentalitäten und Nationalcharaktere bestehen – mit der jeweils passenden Währung. Lasst doch jeden stolz sein eigenes Leben führen, in eigener Verantwortung, also auch auf eigene Kosten. Keiner soll für den anderen bezahlen, denn beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Das gehörte Jahrhunderte lang zum selbstverständlichen Allgemeinwissen. Die Euro-Einheitspartei in Deutschland mit ihren Unterabteilungen CDU, SPD, FDP und den Grünen setzt ideologisches Wunschdenken dagegen nach der Devise: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“

Angeblich brauchen wir den Euro, weil Deutschland viel zu klein sei, um sich allein mit eigener Währung in der globalisierten Welt zu behaupten. Das ist ideologischer Unsinn: Immerhin 10 Länder der 27 in der EU haben ihre eigene Währung und fahren gut damit. Ganz abgesehen von der Schweiz mit ihrem Franken, die sich allein gegen den ungeheuren Aufwertungsdruck behaupten kann, dem ihre Währung durch die Schwäche des Euro ausgesetzt ist.

Und keines dieser Länder kann sich von der Wirtschaftskraft her mit Deutschland vergleichen, das als viertstärkste Nation diesbezüglich im Viertelfinale der Welt – nicht nur Europas – steht. Der Euro ist im Vergleich zu den nationalen Währungen dieser EU-Länder noch viel mehr gefallen als im Vergleich zu dem ebenfalls total überschuldeten Dollar.

Das zeigt doch deutlich, dass es sich mit der eigenen Währung besser wirtschaften lässt. Und wenn in der Welt eine Alternative zum Dollar gesucht wird, dann würde eine andere nationale Währung allein, an die sich stillschweigend andere Währungen koppeln, so wie das früher bei der DM der Fall war, diese Rolle besser erfüllen als ein künstliches Konglomerat von Währungen, das nur aufgrund nationaler Empfindlichkeiten gebildet wurde, obwohl diese Währungen nicht zusammen passen und gehören.

Was bei der DM nie denkbar gewesen wäre: Sogar die tschechische Krone hat gegenüber dem Euro massiv zugelegt. Vor ein paar Jahren lag der Kurs noch bei 1:30, jetzt liegt er bei 1:25 und darunter. Das habe ich vor 14 Tagen [Mitte Juni 2012] im Riesengebirge feststellen müssen. Auf diese Weise und durch die Inflation und durch so niedrige Spar- und Lebensversicherungszinsen wie noch nie wird deutsches Volksvermögen vernichtet. Das ist der Preis, den wir jetzt schon für das europazentrierte Wunschdenken unserer Eliten bezahlen. Das wollen die Eurogesundbeter nicht wahrhaben.

Deshalb steckt Deutschland in Alternativlosigkeiten fest. Es gibt für das menschliche Lebensgefühl aber kaum etwas Schlechteres und Deprimierendes als keine Wahl zu haben. Aber wir haben eine Wahl! Die Menschen brauchen „nur“ den Lebensmut, das zu glauben und dieser wächst aus Selbstbewusstsein, aus der Besinnung auf die eigenen Stärken und Möglichkeiten. Um diese Stimmung, um diesen Optimismus, um dieses Lebensvertrauen geht es: Menschen und Nationen dürfen und sollen tun, was für sie selbst gut ist.

[Italien und Spanien haben das gerade getan, Deutschland natürlich wieder nicht. Aber gut für Deutschland ist ja sowieso nicht das Durchsetzen von Sparsamkeit in einem Fiskal-Verbund von Nationen, die währungspolitisch nicht zusammen gehören, sondern eine Währung, die passt, also die DM oder zumindest der Nord-Euro - 30.06.12] 

Das nutzt dann auch den anderen. Dass Deutschland meiner Meinung nach aus dem Euro austreten muss, ist nur ein Beispiel dafür, aber ein wichtiges. Angeblich wäre das viel zu teuer. Das haben uns die Euro-Anbeter schon vor zwei Jahren gesagt. Jetzt ist es in der Tat entschieden teurer, aber ein Ende mit Schecken ist immer noch viel besser als ein Schrecken ohne Ende.

Klare Ansagen sind nötig. Im Gegensatz dazu zeichnet sich Frau Merkel durch Vieldeutigkeiten aus, von denen nur Zweierlei sicher ist. Ich möchte es als das 1. und 2. Merkelsche Gesetz der europäischen Fiskalunion bezeichnen:

1. Deutschland bezahlt immer mehr als alle anderen zusammen genommen, egal wie oft Frau Merkel vorher Nein und Jein gesagt hatte.

2. Deutschland bezahlt jedes Mal mehr als vorher.

Entscheidend für die Zukunft unseres Vaterlandes ist, ob es seinen patriotischen Kräften gelingt, zusammen zu arbeiten. Die Bürgerinitiative der ehemaligen SPD-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin „Mehr Demokratie“ und ihre Forderung nach Volksentscheiden bei grundsätzlichen Fragen, die die nationalen Finanzen betreffen, ist eine Möglichkeit ebenso wie das „Bündnis Bürgerwille“. (Ich bin Mitglied von beiden.)

Es ist erstaunlich, wie es den in Deutschland herrschenden politischen Kräften bisher gelingt, die große Mehrheit der normalen Bürger durch „Brot und Spiele“ und solche – in meinen Augen – lächerlichen Konsumoberflächlichkeiten, wie dass sie sich den Währungsumtausch im Ausland ersparen können, von einer euro-bedingten deutlichen Schmälerung des eigenen Wohlstandes abzulenken. Ich bin, wie gesagt, kein Ökonom. Aber mir scheint von der Vielzahl sich widersprechender volkswirtschaftlicher Meinungen die von Hans-Olaf Henkel („Rettet unser Geld!“) und Hans- Werner Sinn am logischsten. Beide weisen z.B. darauf hin, dass Deutschland mit seiner DM mehr in die heutigen Euro-Länder exportiert hatte als heute mit dem Euro.

Eines ist sicher: Wir brauchen viel mehr direkte Demokratie nach dem Vorbild der Schweiz.

Deutsche Patrioten sind vorläufig noch eine relativ kleine Gruppe, aber wir zeigen, dass es gut und möglich ist, zu den freiheitlich-demokratischen Grundwerten dieser Gesellschaft zu stehen und trotzdem nicht wie die Lemminge auf einer breiten, ausgelatschten Hauptstraße des Zeitgeistes – die laut Bibel bekanntlich in die Hölle führt – dahin zu trotten. Die Frage, die mich bewegt, lautet: Wie können wir den deutschen Bürgern, die unausgelatschten, die anderen, die neuen Wege zeigen, die aus der Enge des alten politischen Denkens, das immer noch durch den 2. Weltkrieg geprägt ist, herausführen. Nichts ist ewig auf der Welt, schon gar nicht eine europäische Nachkriegsordnung, die aus Misstrauen entstand und auf Neid beruht und deren Hauptzweck es ist, ein Deutschland zu binden und zu bannen, das wirtschaftlich einfach nicht klein zu kriegen ist, das immer wieder aufsteigt zur führenden Volkswirtschaft in Europa trotz zweier verlorener Weltkriege, das aufgrund der Tüchtigkeit seiner Bürger nicht aufhören kann, massenhaft Exportüberschüsse zu erwirtschaften.

Wir alle müssen neu denken, nicht etwa nur fiskalisch, sondern grundlegend politisch. Wir müssen und wollen kreativ sein. Kreativität bedeutet das Aufbrechen starrer Denkmuster. „Wir brechen auf“ im doppelten Sinn dieses Wortes, und wir befreien uns aus den alten Denkgewohnheiten der Kriegs- und Flakhelfergenerationen. Vielleicht waren diese Denkselbstverständlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt unvermeidlich: Die Westbindung, das Vasallentum gegenüber den Siegern des 2. Weltkrieges, in West wie in Ost. Schließlich war dieser Krieg die größte Katastrophe der bisherigen Geschichte. Die Menschen waren geschockt und von Todesangst geprägt, sie wollten sich diesmal an die richtigen Anführer halten, die USA und die Sowjetunion.

Aber jetzt sind wir doch nicht mehr traumatisiert. Jetzt können wir doch klar, offen und frei denken. Damals konnten die westdeutschen Eliten Stalins Angebot deutscher Neutralität nicht ernsthaft prüfen. Sie wollten es auch nicht, sie steckten nämlich schon in der Denkschablone fest, dass Deutschland nie wieder eine eigenständige Rolle in der Weltgeschichte spielen dürfe.

Auf diese Weise hat die westdeutsche Regierung in den 70ziger Jahren z.B. auch verhindert, dass Deutsch zur sechsten Arbeits- und Amtssprache der UNO aufrückte, obwohl die DDR und Österreich dafür waren und sich auf jeden Fall eine Mehrheit in der Vollversammlung gefunden hätte – so etwas, die Geschichte des Verrats am Eigenen gilt es aufzuarbeiten, ohne allerdings gebannt an der Vergangenheit fixiert zu bleiben. (Vgl. Wolf Schneider in meinem Artikel hier auf dieser Internet-Seite „Warum Deutsch so wichtig ist“.)

Inzwischen kann unsere politische Klasse überhaupt nicht mehr anders: Sie gibt nicht eher Ruhe, als bis sie alles, was Deutschlands Stärke und Kraft ausmacht, in Europa abgegeben hat (wie Sarrazin das so treffend sagt).

Deutschland wird nie wieder andere Nationen bedrohen. Unsere Landesverteidigung wird ähnlich wie die der Schweiz rein defensiven Charakter tragen und nicht mehr der Expansion dienen, auch nicht der einer sogenannten „freiheitlich-demokratischen“, westlichen Lebensart. Es ist eine Schande, dass deutsche Soldaten heute ihr Leben für die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der USA geben müssen.

Der französische Präsident Hollande hat das erkannt und zieht seine Truppen vorfristig aus Afghanistan ab. Merkel steht im Gegensatz dazu in Vasallentreue zur Nato. Deswegen heißt neu denken, die Welt und das Leben neu lieben, für mich: Raus aus der Nato! Ich möchte mit einer militärischen Organisation, die ständig zivile Opfer („Kollateralschäden“) in Kauf nimmt und sich über das Völkerrecht hinwegsetzt, nichts zu tun haben. Es werden Milliarden sein, die Deutschland bei einem Austritt aus der Nato einsparen und für die Bedürfnisse der eigenen Bürger einsetzen könnte.

Ich bin für ein starkes, freies, neutrales Deutschland in der Mitte Europas. Wir zwingen keinem etwas auf, aber wir können uns auch nicht verbieten lassen, was für uns selbst gut ist. Jeder der etablierten Politiker in Deutschland wird sagen: Das geht doch gar nicht. Schon wieder eine angebliche Alternativlosigkeit. Die Westbindung sei angeblich die größte Lehre aus den zwei Weltkriegen. Ich finde: Deutschland sollte frei sein wie die Schweiz. Hitler hat seine Verbrechen jedenfalls nicht verübt, weil er sich zu sehr an Deutschland gebunden fühlte, sondern weil er dem Wahn eines weltweiten Kampfes der Rassen verfallen war.

Ich weiß, wer liebt, für den ist alles möglich. Und Patrioten lieben ihr Vaterland und ihre Muttersprache. Sie lieben ihr Land nicht gegen andere Länder, sondern – auch – für sie. Deutschland kann nämlich Europa und der Welt viel mehr geben als eigenständige National-, Mentalitäts- und Kultur“persönlichkeit“ als es das jetzt kann, vereinnahmt von der Nato und der einseitigen Westbindung. (Patriotismus eint die Nationen im respektvoll-freundschaftlichen Miteinander, Nationalismus trennt sie in Feindschaft.)

Ich träume von einer eigenständigen, selbstbewussten und offenen deutschen Kultur in der Mitte Europas. Sie ist ernsthaft gefährdet, schon ganz trivial im Alltag. Und das ist sogar wichtiger als das, was sich in den Opernhäusern oder Theatern abspielt. Ich habe jetzt leider nicht die Zeit, um Ihnen das zu demonstrieren: Wenn ich ein Radio auf das Pult stellen würde und würde alle der hier gut empfangbaren Sender durchgehen, dann würde – wette ich – mindestens 90 Prozent der musikalischen Darbietungen dieser Sender, einschließlich Deutschlandfunk und Klassikradio – englischsprachig sein. Wenn ich in Berlin bin, höre ich gern einen russischen, französischen oder türkischen Sender. Es ist wohltuend, endlich einmal nicht so von englischsprachiger Musik dominiert zu werden. Die Türken („Radio Metropol“) spielen allerdings nur, zu 100 Prozent türkischsprachige Musik. Das finde ich auch übertrieben, da der Sender nun einmal in Berlin steht, sollte die Musik auch mal deutschsprachig sein.

Deutschland schafft sich ab und das ist besonders gefährlich auf diese ganz gewöhnlich-alltägliche Weise, Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Ich hätte eben beinahe vom „McDonalds-Einerlei“ gesprochen. Aber mir ist aufgefallen, dass dieser große US-amerikanische Konzern der einzige ist, der bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine der geschundenen, verachteten und verdrängten deutschen Sprache ein Podium gegeben hat: „Ich liebe es“ im Wechsel zwar mit „I’m lovin’ it“, aber immerhin. (Gestern im Viertelfinale habe ich allerdings nur noch die englische Version gelesen. Wahrscheinlich hat die Bundeskanzlerin, die so gern salbungsvoll deutsches Geld unter englischen und französischen Sprachwappen verteilt, bei McDonalds gegen seine Deutschtümelei protestiert. Sie ist ja auch diejenige, die sich im Gegensatz zu ihrer Bundestagsfraktion vehement dagegen sträubt, dass Deutsch als die Sprache der Bundesrepublik Deutschland im Grundgesetz festgeschrieben wird. Wahrscheinlich weiß sie, wohin die Entwicklung geht.) Kein einziger deutscher Konzern, deren Vorstände sich in ihrer Mehrheit auf Englisch verständigen, hat sich dort sprachlich zu der Nation bekannt, aus der er kommt.

Wir bräuchten heute dringend wieder einen Martin Luther, denn die Abkehr der Herrschenden vom gewöhnlichen Volk ist heute nach meinen Eindrücken mit Englisch größer, als sie es damals mit Latein war.

In Bezug auf McDonald können Sie mal sehen, wie schnell wir Menschen ungerecht werden – wir müssen also immer aufpassen vor Vorurteilen. Und in der Tat ist es so, dass den feigen Verrat an der eigenen Sprache vor allem die Deutschen selbst betreiben. Sie schnipsen ganz aufgeregt mit den Fingern: Ich weiß was, ich kann was, Herr Oberangesagter, ich kann Englisch. Dankenswerter Weise hat genau darauf der Bundestagspräsident, Norbert Lammert, vor kurzem hingewiesen.

An der EU muss sich viel ändern, wenn Deutschland ihr Mitglied bleiben soll. Zu dem Wichtigsten gehört, dass Deutsch in ihren Gremien endlich mit Englisch und Französisch gleichgestellt wird. (Ungefähr doppelt so viele Menschen sprechen in der EU Deutsch als Muttersprache wie dies für Englisch und Französisch zutrifft und noch ist Deutsch die in der EU am zweithäufigsten gelernte Fremdsprache.)

Sprache hat viel mit Macht und Ansehen zu tun. Viele Bürger spüren intuitiv die Abschaffung Deutschlands gerade auf diesem Feld. Es bekümmert sie persönlich, dass z.B. kein einziger deutscher Autokonzern mehr willens ist, deutsche Worte für technische Neuerungen oder die Farben seiner Autos zu nutzen. Die „Motion“ muss unbedingt „blue“ sein, als ob in der Welt „blau“ nicht genauso verstanden würde, dann aber mit der Würze des selbstbewusst Eigenen.

Unsere Nation hat sich aus der deutschen Sprache gebildet, diese war zuerst da, vor den – sich in der Geschichte wandelnden – deutschen Staaten. Insofern gehören natürlich auch Österreich und die deutschsprachige Schweiz zu einer eigenständigen deutschen Kultur und Mentalität in der Mitte Europas. Ich persönlich bedaure es, dass Wien nicht die Hauptstadt eines deutschen Staatengebildes (Heiliges Römisches Reich deutscher Nation) geblieben ist. Wer weiß, was uns so alles erspart geblieben wäre. Ich finde die österreicherische Art des deutschen Wesens besonders charmant. Und während Frankreich beispielsweise sich besonders um Rumänien bemüht, weil Rumänisch zu den romanischen Sprachen gehört, ist es den geschichtsvergessenen Politikern der deutschen Gegenwart völlig egal, dass es in der EU Länder gibt, die Nachfolgestaaten der ehemaligen KuK-Monarchie (Ungarn, Tschechien, Slowenien, Kroatien und z.T. Polen und die Ukraine), in denen die deutsche Sprache immer eine besondere Rolle spielte.

Freundschaft ist wichtig, auch zwischen den Nationen in ganz Europa und der Welt. Aber wirkliche Freunde wollen sich nicht vereinnahmen, und sie wollen sich auch nicht selbst oder gegenseitig abschaffen bzw. bis zur Unkenntlichkeit in bürokratischen „Vereinen“ („Vereinigte Staaten von Europa“) auflösen. Eine eigenständige, selbstbewusste und offene deutsche Kultur in der Mitte Europas würde Europa und der Welt neue Impulse geben, neue Möglichkeiten eröffnen. Das erstarrte System Merkelscher Alternativlosigkeiten würde sich öffnen, die weltpolitischen Karten würden neu gemischt, diesmal aber auf eine freundliche und respektvolle Weise, ohne dass Deutschland die geringsten expansiven Ansprüche gegenüber anderen Nationen und Völkern stellen würde.

Der Krieg, sowohl der heiße als auch der kalte, ist längst zu Ende. Das unterteilende Denken zwischen Sieger- und Verlierernationen ist überholt. Es gibt nicht nur eine führende Weltkultur, die amerikanische, sondern viele, und die deutsche Kultur ist auch eine Weltkultur, ebenso wie Deutsch auch eine Weltsprache ist. Leider sind die Deutschen die, die selbst am wenigsten daran glauben. Und das ist ein wirkliches Trauerspiel, weil Menschen und Nationen, die nicht an sich glauben, immer weit unter ihren Möglichkeiten bleiben müssen, auch zum Schaden der anderen.

Wenn bedeutende deutsche Persönlichkeiten, in Ehren ergraute Männer wie Helmut Schmidt als ehemaliger Oberleutnant der Wehrmacht oder Jürgen Habermas als ehemaliger Flakhelfer heute immer noch glauben, Deutschland dürfe aus friedenspolitischen Gründen nie mehr eine eigene Rolle spielen und müsse anstatt dessen fortwährend für andere draufzahlen, dann denke ich, dass sie als Kriegsbeteiligte Furchtbares erlebt haben müssen oder auch, unabhängig von persönlicher Schuld, als Wehrmachtsangehörige ein schlechtes Gewissen haben.

Letzteres ehrt sie als individuelle Persönlichkeiten, kann doch aber kein Grund sein, die Generationen ihrer Enkel und Urenkel sozusagen in eine ewige historische „Sippenhaft“ zu nehmen. Ich setze meine größten Hoffnungen auf junge deutsche Staatsbürger, die Deutschland als Vaterland lieben gelernt haben, obwohl oder vielleicht gerade, weil sie nicht immer Deutsche waren. Ich denke z.B. an den jungen Afrikaner Oliver Harris. Er singt, an junge Türken und Araber gewandt:

“… Wieso wohnst du in diesem Land über zehn Jahre und sprichst trotzdem nicht die deutsche Sprache?” … “Du sagst: Deutsche sind Scheiße, deutsche Frauen sind Dreck. Tu Deutschland bitte einen Gefallen und zieh’ weg! Dieses Land braucht keine Menschen, die hier nicht sein wollen. … Du hast Glück, bist jetzt hier, also benimm dich! – Wenn du nicht weißt, wo der Flughafen ist, ich bring dich! … Manche wissen nicht, wie gut sie es hier haben. Ich denke, da wo du herkommst, hast du gar nichts zu sagen. Schäm’ dich, über Deutschland so schlecht zu reden, es ist schön in Deutschland zu leben!”

Und natürlich gibt es auch Türken und Araber, die Deutschland wertschätzen und die es als Nation lieben gelernt haben. Das ist ihr neues, gutes Vaterland, auf das wenige jetzt schon stolz sind und auf das viele stolz wären, wenn es nur mutig und selbstbewusst seine eigene „Persönlichkeit“ vertreten würde.

Ich persönlich denke sogar, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehört und nicht nur die Menschen, die an ihn glauben. Das lässt sich nämlich nicht voneinander trennen. Wenn Deutschland stark ist, kann es auch den Islam unter seine Fittiche nehmen, gleichberechtigt mit den anderen Religionen, genauso wie das schon Friedrich der II. gesagt hatte: Jeder soll in Preußen bzw. Deutschland nach seiner eigenen Facon glücklich werden, so lange er den deutschen Staat als die oberste Instanz akzeptiert und deutsche Sitten und Mentalität respektiert.

In jedem Fall frage ich mich: Warum – um Himmels Willen – sollen junge Menschen, inzwischen deutsche Staatsbürger, deren Vorfahren und Familien nun wirklich nichts mit deutschen Expansionsdrang zu tun haben, heute immer noch für das büßen, was lange, bevor sie geboren wurden, im deutschen Namen angerichtet wurde?

Das ist die einzige Hinsicht – Schuld, Scham, Verzagtheit – in der die politische und ideologische Klasse Deutschlands auf nationales Denken setzt, und zwar massiv. Rückwärts gewandt, in Bezug auf Schuld und ewige Reparationsleistungen sollen wir unbedingt „rein“ deutsch bleiben, alle, die deutschen Ureinwohner ebenso wie die zugewanderten neuen Staatsbürger. Vorwärts gewandt, in Bezug auf unsere eigenen Lebenschancen sollen wir aber gar nicht deutsch sein, sondern partout Europäer, die alle nationalen Ansprüche abstreifen und das, was sie sich mit ihrer Tüchtigkeit erarbeitet haben, mit allen anderen teilen.

Das passt beides nicht zusammen. Und dass die Vergemeinschaftung überschaubarer Einheiten, die klar die Verantwortung für sich selbst übernehmen konnten und wollten, z.B. zu VEB’s, LPG’s und PGH’s keinesfalls der Produktivität nutzt, weiß ich als ehemaliger DDR-Bürger genau. Das Politbüro hatte damals ähnlich argumentiert, wie unsere Zeitgeist-Hauptstrom-Vertreter das heute tun: Ihr müsst euch zusammentun, sonst könnt ihr im weltweiten Wettbewerb nicht bestehen. Mit dieser Ideologie im Ohr hatten sich z.B. auch Daimler und Crysler vereinigt. Die Scheidung war teuer, aber jetzt geht es Mercedes-Benz wieder richtig gut. Etwas Anderes ist es, wenn sich VW und Porsche zusammentun. Das sind zwei deutsche Konzerne, die eine Mentalität einigt, da kann das durchaus sinnvoll sein.

Es ist Zeit, neu zu denken, neu zu leben und neu zu lieben, und den Deutschen, die gelähmt, erstarrt und deprimiert in den angeblichen Alternativlosigkeiten von Frau Merkel und Konsorten festhängen, die frohe Botschaft mitzuteilen, immer lauter, immer unüberhörbarer: Wir können uns befreien. Wir können freundlich und selbstbewusst wieder wir selbst sein und es vielleicht zum ersten Mal richtig werden.

Und – das kann gar nicht oft genug gesagt werden: Von einem starken Deutschland in der Mitte Europas profitieren auch unsere Nachbarn viel mehr als wenn sich die europäischen Nationen nur aus Misstrauen, aus einer heute völlig unbegründeten imaginären, rückwärtsgewandten Angst vor „den Deutschen“ auflösen in einem bürokratischen Monster namens EU, in dem die Kommissare nach Sowjetart herrschen.

Da sind schon – hoffentlich – die stolzen Franzosen, Polen und andere davor. Einerseits. Aber anderseits ist ein maßgeblich deutsch finanzierter Euro, der nicht mehr der Deutschen Bundesbank, sondern der EZB unterliegt, in der die Deutschen nichts mehr zu sagen haben, ihnen natürlich auch nicht ganz unlieb. Wer verfügt nicht gern mit über fremdes Geld, wenn es ihm förmlich aufgedrängt wird? Also müssen wir Deutschen selbst auch unseren Beitrag dafür leisten, die EU-Administration im Zaum zu halten.

„Wir können uns befreien“ – diese frohe Botschaft gilt für alle Deutschen, egal welcher Herkunft sie sind, Hauptsache deutscher Zunge und Liebhaber deutscher Mentalität, auch wenn sie sie vielleicht selbst nicht in jeder Beziehung praktizieren wie auch ich z.B. nicht, denn ich bin leider ziemlich „schlampert“.

Letzte Änderung: 22.09.2014