Persönliches

 

Ich bin ein

  • Nach-Denker, ein Subjekt von der Art eins: Ich möchte innerhalb von mir sein, mir meiner bewusst werden. Ich möchte mich gedanklich einordnen in das, was passiert, seinen Sinn erkennen, insbesondere den, den es für mich persönlich hat. Deswegen bin ich ein Anhalter von Gedanken und Geschehnissen, ein Innehalter. (Kein Wunder, dass ich im pädagogisch-psychologischen Zusammenhang viel vom Halten, auch vom Mut zum Festhalten an der richtigen Stelle halte. Und dass ich meine Muttersprache liebe, die mir dieses An-, Fest- und Innehalten auf besondere Weise ermöglicht.) Ich glaube, so lässt sich auch Philosophieren definieren.
  • Relativierer. Ich brauche Relationen, Analogien und Vergleiche, um mich und die Welt verstehen zu können. Ich muss mich in systemische Zusammenhänge einordnen, um zu verstehen, wer, wann und wo ich bin. Metaphern liegen meinem Wesen deshalb in besonderer Weise nah. Beziehungsfähigkeit gilt für mich nicht nur in sozialer Hinsicht (Familie, Liebe, Freundschaften, Kollegialität), sondern auch in kognitiver. Nur im Vergleich mit anderen kann ich wertschätzen, was ich habe, und kann ich vermissen, was ich nicht habe und nicht kann. Das gefährdet mich einerseits, neidisch zu sein, denn wer bewusst vergleichen kann und will, merkt den negativen Abstand zum anderen, das, was ihm im Vergleich zu ihm fehlt, besonders schmerzhaft, es sei denn, ein Anderer ist mir so nah, dass ich ihn zum Eigenen zähle, was nur für engste Familienangehörige und engste Freunde zutrifft. Und es macht mich andererseits dankbar, denn wer bewusst vergleichen kann und will, merkt den Abstand zum anderen auch dann besonders intensiv, wenn er positiv ist, wenn ich stolz darauf sein kann, was ich im Vergleich zum Anderen mehr habe bzw. besser kann. Insofern höre ich im Krankenhaus gern die Geschichten anderer, denn sie können mich trösten, mein eigenes Leid relativieren, allerdings können sie es auch vertiefen, wenn ein anderer viel geringere, oberflächlichere Probleme hat als ich. Dafür ist dann die Moral da, die mir sagen muss: Gönne es ihm.
  • Genießer, besonders beim Schauen und besonders bei Menschen. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als Menschen, besonders ihre Gesichter. Allein die vielen verschiedenen Arten, wie Menschen lächeln, faszinieren mich: verschmitzt, vertrauensvoll, dankbar, skeptisch, keck… Leider gehöre ich aber – auch? – zu der Sorte Leute, die „primitiv“ auf das „Äußerliche stehen“. Mir gefallen nun mal – ich muss es zugeben – hübsche, natürliche und sportlich (wirkende) Menschen am besten, besonders wenn sie auch noch ein wenig verwegen und frech sind, aber letztendlich trotzdem gutmütig und gutwillig. Manchmal finde ich diese Welt “herrlich” ungerecht. Ich selbst bin ja auch nicht der Hübscheste. Als Junge hätte ich aber Chancen bei mir gehabt.
  • Da-Bleiber, treu, durch und durch. Ich bin der Typ, der immer wieder die gleichen Bücher liest (z.B. Goethes „Faust I und II“, Hesses „Narziß und Goldmund“, die Romane und Novellen Thomas Manns), der immer wieder die gleichen Urlaubsorte aufsucht und der immer noch mit der gleichen Frau verheiratet wäre, wenn sie es auch gewollt hätte. Ich bin ein Liebhaber (Patriot) dessen, wozu ich gehöre, zu meiner Familie (meinen Hickethier-Vor- und Nachfahren), zu meiner Heimatstadt (Brandenburg an der Havel), zu meinem Vaterland (Deutschland) und zu meiner Muttersprache (Deutsch). Ich frage mich z.B., wie jemand seinem himmlischen Vater treu sein will, der dies nicht einmal mit seiner sprachlichen Mutter schafft und sein Innerstes lieber in einer Tantensprache ausdrückt, nur weil sie „schick“ ist und angesagt, nur weil sie weltweit die Sprache der Konzerne, der Banken, des Konsums, der Werbung, der Nato und des internationalen Luftverkehrs ist. Wie kann man nur so dem Hauptstrom seiner Zeit hinterherhecheln? Das kommt für mich gar nicht in Frage. Ich bliebe meiner Sprache treu, auch dann, wenn alle chinesisch redeten, weil das jetzt „nun einmal“ so wäre. Ich bin stolz auf mich und das Meinige, natürlich auch auf meine Sprache, die eine Weltsprache ist, was die meisten Deutschen bloß nicht mehr wissen, weil es ihnen auch keiner sagt von ihren Eliten. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass die heutige Jugend so vollständig übereinstimmt mit dem, was die offiziellen Eliten ihrer Zeit für angesagt halten: Deutsch ist vielleicht ganz gut, aber Englisch ist natürlich besser und wichtiger!  Deutsche Autokonzerne wissen nicht mehr, wie die Farben ihrer Autos auf Deutsch heißen. Wer nicht die Sprache seiner Kunden kann, wie will der dann verstehen, was sie wollen? Wenn auf allen Sendern englischsprachige Musik erklingt, wo sind wir dann? Natürlich in Deutschland! Und wenn wieder einmal “die Achtziger” enthusiastisch gefeiert werden von Sendern, die angeblich “von hier” sind, und die großen, damals auch im Westen gespielten deutschsprachigen Rockballaden aus der DDR - Achtung gefährlich: die Texte können zum Nachdenken führen – werden nicht mit einem einzigen Ton erwähnt? Wo sind wir dann? Natürlich im Osten Deutschlands! (Radio RSA spielt zwar DDR-Rock, aber auch dort bleibt die Sprache der Hörer in den Musiktiteln weit unterrepräsentiert.) Zu allen Zeiten hat die Jugend rebelliert gegen das, was von oben angesagt war. Ist nun das Ende der Zeit gekommen, wenn das nicht mehr so ist?
  • Weiter-Geber, ein Subjekt von der Art zwei: Ich möchte ein “Tuer” oder “Tuender” (“Täter” hat eine nur negative Bedeutung) sein, nicht ein Objekt, mit dem etwas gemacht wird, kein Amboss, im Sinne von Goethes darunter stehendem Gedicht, sondern ein „Hammer“.

Kophtisches* Lied

Geh! Gehorche meinem Winken,
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein:
Auf des Glückes großer Waage
Steht die Zunge selten ein;
Du musst steigen oder sinken,
Du musst herrschen und gewinnen
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboß oder Hammer sein.

*Kophta: Weiser, wundertätiger ägyptischer Priester

Deswegen habe ich ja auch diese Internetseite und gebe mir Mühe, mein Eigenes so mitzuteilen, dass es andere interessieren und beeinflussen könnte.
Ich misstraue wenig, aber regelmäßig der Bescheidenheit: „Ich habe das nur für mich geschrieben, meine Freunde, meine Kinder haben es an einen Verlag geschickt, wollte ich gar nicht.“ Ich glaube, jeder, der lebt, hat einen Geltungstrieb, wenn er noch lebt, seelisch. Letztendlich machen nur Erfolg, Wer- und Anerkanntsein glücklich, auch “sexy” (wenn man es nicht – mehr – von Haus aus ist) und begehrt. (Insofern gebe ich die Hoffnung noch nicht auf.) Ich bin eitel, ich möchte weitergeben, was ich erkannt habe, möglichst vielen. Ich rede auch lieber vor vielen Menschen als vor wenigen, es sei denn, es sind ganz wenige oder es ist nur einer, der mir ganz nahe und wichtig ist.
Einerseits passt meine Zeit für mich als Weiter-Geber, allein schon durch die großen Möglichkeiten, die das Internet eröffnet. Andererseits haben es Weitergeber (Eltern, Pädagogen aller Art) in konkreten sozialen Strukturen (Familie, Schule) heute viel schwerer als früher. Wer „nur“ auf die Dauer und hintergründig gut ist, hat’s schwer; heutzutage muss er sofort punkten, äußerlich und auf der Stelle, sonst erlahmt schnell die Aufmerksamkeit derer, die etwas lernen könnten.

Ich spiele dieses „Spiel“ unserer Zeit nicht mehr mit – Sie?